Tag 34 – San Francisco

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San Francisco

31. Oktober

Genug erholt und gefaulenzt, heute steht wieder einiges auf dem Programm. Es ist der 31. Oktober, Halloween. Film und Fernsehen haben uns so geprägt, dass wir wohl ein völlig falsches Bild von diesem Feiertag und den Amerikanern hatten. Wir rechneten mit vielen geschmückten Häuser, Paraden und durch die Straßen ziehende Kinder, die an jeder Tür "trick or treat " rufen, die US-Version von "süßes oder saures". Doch weit gefehlt, selbst im den Vororten sind nur vereinzelt die Häuser so geschmückt, wie man sich das vorstellt, mit Gruselfiguren, Spinnennetzen und aufwändiger Beleuchtung. Auch ziehen nur ein paar Kinder durch die Stadt und fragen in Geschäften nach Süßigkeiten. Auch die meisten Halloween Parties waren bereits am letzten Wochenende, ein bisschen schade, wir hatten uns schon ein bisschen auf lauter gruselige Gestalten gefreut.

Für uns ging es zunächst zu Fuß auf Erkundungstour. Unser erstes Ziel war China town. Wie in jeder amerikanischen Großstadt gibt es auch in San Francisco ein solches asiatisches Viertel. Hier gibt es alles, was typisch für diesen Kulturkreis ist. Von Sushi und anderen noch weitaus exotischeren Essen, über asiatische Kleidung bis hin zu Kampfkunsthallen. Viele Schilder sind nur mit chinesischen Schriftzeichen bedruckt und selbst die Straßenlaternen sind asiatisch gestaltet. Geht man zwei Straßen weiter, ist alles wieder normal. Sie leben dort also schon ziemlich isoliert von allen anderen. Es gibt sogar eigene Schulen dort.

San Francisco ist übrigens wirklich so hügelig, wie man sich das vorstellt. Als Hügel gilt hier alles über 30m und davon gibt es einige ganze Menge. Da hier typisch amerikanisch im Raster gebaut wurde, gibt es sehr viele steile Straßen und eine Spaziergang von einem Block zum nächsten kann schon mal den Gang zum Fitnessstudio ersparen. Am besten geeignet, um die Steigungen zu überwinden sind die Cable Cars. Auf ein paar Linien fahren sie noch und ähnlich wie in Lissabon kommen auch hier keine modernen Fahrzeuge in Frage, da sie mit den Bedingungen nicht zu recht kommen würden.

Wir entschieden uns für die Powell Hyde Line und fuhren das etwa 20minütige Stück Berg und Talbahn. Das Kabel, welches die Cable Cars zieht, bewegt sich mit maximal 15 km/h und bestimmt damit auch die Höchstgeschwindigkeit der Bahnen. Da sie sich nur so langsam bewegen, ist es gestattet auf den Trittbrettern an der Außenseite mitzufahren. Das musste natürlich genutzt werden und es war eine tolle Erfahrung. Von dort aus lässt es sich gut fotografieren und man hat eine fantastische Sicht auf die Straßen und Hügel.

In jeder Bahn gibt es zwei Mitarbeiter, der Gripman im vorderen Bereich hakt sich in das Seil ein, bremst und steuert so den Wagen, der hintere ist der Schaffner und Bremser für die steilen Abschnitte. Verständigen tun sie sich über ein System aus verschiedenen Glockensignalen. Das funktioniert erstaunlich gut und selbst das Ein- und Aussteigen mitten auf den Kreuzungen geht ohne Probleme von statten, da Autos meistens einfach zum stehen geklingelt werden.

Am Fischerman's Wharf teilten sich unsere Wege, Bianca erkundete auf eigene Faust die Stadt und fuhr einmal alle Cable Car Linien ab. Für Patricia und mich ging es zur wohl berühmtesten Insel in der Bucht von San Francisco: Alcatraz. Nach einem zügigen Fußmarsch vorbei an weiteren alten Straßenbahnen, erreichten wir unseren Pier und die Fähre. Nach der 20 minütigen Überfahrt mit Blick auf die Golden Gate Bridge und die Skyline der Stadt erreichten wir die Insel. Dort ging es zunächst zu den alten Werkstätten, hier arbeiteten die Gefangenen. Kleidung für das Militär wurde hier beispielsweise hergestellt. Bereits hier bekam man einen kleinen Eindruck vom Leben auf de Gefängnisinsel, viele Zäune und Stacheldraht hinderten die Häftlinge an der Flucht. Trotzdem wurde es immer wieder versucht, vor allem von den Werkstätten. Beispielsweise hat sich eine der Häftlinge über Jahre hinweg eine vollständige Militär Uniform zusammen geklaut und kam sogar bis zur Fähre, wo er jedoch erkannt wurde.

Nach den Werkstätten ging es in den Zellentrakt. Dort gab es eine tolle Audioführung, in der Werter und Häftlinge ihre Geschichten erzählten und durch die Anlage führten. Begonnen hat man im Empfangsbereich, wo die Gefangenen ihre Kleidung bekamen und den Duschen. Zwei Dutzend ohne Abtrennung nebeneinander, so dass alle immer gesehen wurden, wenn sie hier 2 mal die Woche duschen durften. Der eigentliche Haftbereich begann eine Etage darüber. Hier liegen die Zellen in 3 übereinander liegenden Blöcken. Jeweils 1,5m breit, 2,7 hoch und lang waren sie mit einer Pritsche, einer Toilette, einem Hocker und einem Regal ausgestattet und hatten eine Gittertür.

Außer zum Essen durfte die Zelle nur verlassen, wer sich dies verdient hatte. Solche Privilegien waren zum Beispiel der Hofgang oder Arbeiten. Besonders auffällige Häftlinge kamen in Isolationshaft. Eigentlich sollte hier die gesamte Zeit eine Lampe leuchten, jedoch wurde sie meistens abgeschaltet, so dass sie stundenlang im Dunkel saßen, um die Isolation zu verstärken. Neben dem Leben der Häftlinge und Informationen über einige Ausbruchsversuche wurde auch über das Leben der Wärter erzählt. Sie lebten tatsächlich mit ihren Familien auf der Insel. Es gab daher eine eigene Schule, einen Kindergarten, kleine Geschäfte und sogar eine eigene Bowlingliga.

Alcatraz wurde über viele Jahre hinweg bereits als Militärgefängnis genutzt und ab 1934 als ziviles Bundesgefängnis wieder eröffnet. Bis zu seiner Schließung 1964 galt es als Hochsicherheitsgefängnis und beherbergte Schwerverbrecher wie AlCapone oder Machine Gun Kelly. Trotz zahlreicher versuche ist bis heute kein geglückter Ausbruch bekannt. Da vermutet wird, dass die Geflohenen in der Bucht ertrunken sind. Dabei wurden oftmals die kostenbedingten Baumängel zur Flucht genutzt. So wurden die Toiletten mit Salzwasser gespült, was zu starker Korrosion führte und die Wände schwächte. So konnten sich Frank Morris und zwei weitere Mithäftlinge mit gestohlenem Besteck Löcher in die Wand graben uns eines Nachts verschwinden.
Diese Baumängel und die verbundenen Kosten für den Betrieb führten zu Schließung des Gefängnisses. Heute ist es Indianer, Vogelschutz und Nationalparkgebiet.

Mit der Fähre ging es zurück zum Festland, wo wir uns wieder mit Bianca trafen. Gemeinsam gingen wir zum Pier 39, einem Vergnügungspier mit vielen Geschäften und Bistros und einer tollen Sicht über die Bucht. Danach ging es in das Finanzviertel der Stadt, wo wir noch einmal in dein Cable Car stiegen und in Richtung Hotel zurück fuhren.