Amish People
10. Oktober
Unsere Zeit in der Hauptstadt ist vorbei und wir machen uns wieder auf den Weg in den Norden. Unser nächstes Ziel: Mount Morris. Kennt ihr nicht? Müsst ihr auch nicht. Ein kleines Dorf mit 4500 Einwohnern etwa 100km entfernt vor der Grenze zu Kanada und wir waren dort auch nur um zu übernachten. So stellt man sich amerikanische Kleinstadtidylle vor Holzhäuser mit Veranda, Halloween Deko, eine Kreuzung und ein paar Seitenstraßen.
Auf dieser Etappe galt eher, der Weg ist das Ziel. Ein paar Stunden nach unseren Aufbruch aus Washington machten wir einen Zwischenstopp in Lancaster bei den Amischen bzw. Amish, von denen es allein in diesem Gebiet noch 20.000 gibt. In einer zum Besucherzentrum ausgebauten Farm erfuhren wir mehr über diese ganz spezielle Glaubensgemeinschaft. Oft geprägt ist das Bild der völlig isoliert lebenden Einsiedler, ohne Technologie und Kontakt zur Außenwelt. Aber das ist nicht ganz so. Natürlich haben sie einen ganz eigenen Lebensstil, aber sie können in vielen Gemeinden auch ganz normal Arbeiten und Einkaufen gehen. Strom dürfen sie auch verwenden, so lange er nicht aus dem öffentlichen Netz kommt. Generatoren und Solaranlagen sind gestattet.
Das Auffälligste ist wohl der Verzicht auf Autos und auch auf Fahrräder (sie gelten wohl als zu modern), dafür wird alles mit Pferdekutschen und Tretrollern erledigt. Tatsächlich haben viele Supermärkte und öffentliche Einrichtungen dort extra Parkplätze für Pferdekutschen und auf den Straßen gibt es extra Fahrstreifen für Gespanne. Die meisten Amish leben noch von der Landwirtschaft, deswegen gibt es viele Farmhäuser mit ein bisschen Land herum. Typisch sind die langen Wäscheleinen, die man schon von weiten sehen kann. Meistens pflanzen sie Mais an und die ernte erfolgt auch per Pferd und Muskelkraft, das konnten wir auch im Vorbeifahren kurz sehen. Erkennen kann man die Amish ganz leicht an ihrer Kleidung, die Frauen tragen eine Haube und typische Kleider und die Männer einen auffälligen Bart und schwarze Bekleidung. Fotografieren darf man sie leider nicht von vorn, da sie Fotos für eitel halten.
Wir haben uns alle jedoch das Leben wesentlich entbehrlicher vorgestellt. So dürfen sie zum Beispiel trotzdem Smartphones besitzen und telefonieren. Nur direkt in ihrem Haus ist es verboten, daher gibt es vor vielen Häusern wie eine kleine Telefonzelle, in der sie telefonieren können. Auch dürfen sie in Autos mitfahren und so gibt es einige Leute in Gebieten mit vielen Amish People, die nur für sie Taxi fahren, z.B. zum Einkaufen. Bevor sich die Amish als junge Erwachsene zum Glauben bekennen und taufen lassen, haben sie ihre sogenannte "Rumspringe" in der sie das normale Leben ausprobieren dürfen und nicht an die strengen Regeln gebunden sind. Viele nutzen die Zeit für Partys und Jungen dürfen sogar den Führerschein machen. Aber die meisten kehren am Ende tatsächlich zurück.
Diese Mischung aus restriktiven Vorschriften, aber auch ziemlichen Zugeständnissen sorgt dafür, dass wir diese Lebensweise nicht komplett nachvollziehen konnten. Eigentlich dachten wir, ganz oder gar nicht. Aber es war ein sehr interessanter Einblick in eine völlig andere Welt.
Danach ging es für uns mit dem Bus weiter in Richtung Norden, vorbei an bereits wunderschön gefärbten Bäumen des Indian Summers, bis nach Mount Morris.