Tag 17 und 18 – Algonquin Provincial Park

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Algonquin Provincial Park

14. und 15. Oktober

Heute fassen wir mal zwei Tage in einem Artikel zusammen und der ist auch noch etwas länger als sonst. Viel Spaß!
 

Wechselhaft beschreibt das Wetter der nächsten Tage wohl am besten. Aber fangen wir mit unserem ersten Tag an. 

Nach einem frühen Aufstehen ging es bei leichtem Nieselregen für uns 300km in Richtung Norden. Auf dem Highway durch das etwas ländlichere Kanda, vorbei an vielen kleinen Ortschaften direkt an der Straße und dem wohl typischen Mix aus Tankstellen und Fast Food Restaurants. Und das alles bei maximal 100km/h auf gut ausgebauten Straßen, das ist auf Dauer wirklich anstrengend und man fängt an die deutschen Straßen schon ein bisschen zu vermissen.

Nach ein paar Stunden kamen wir am Rande des Algonquin Provincialpark an. Benannt nach den Algonquin Indianern liegt er an der Grenze von Ontario zu Quebec und hat fast 2500 Seen zu bieten. Wirklich eine ganze Menge. Unser eigentlicher Trip dort führt uns zu erst zu den Algonquin Outfitters, ein Laden ganz auf Kanu und Outdoor spezialisiert. Dort hatten wir für unsere Tour reserviert. 

Eine netter ältere Dame hat sich dann dort um uns gekümmert, für sie war es das letzte Outfitting in diesem Jahr und auch überhaupt, weil es für sie danach direkt in den Ruhestand ging. Dementsprechend war sie gut drauf und hat sich wirklich rührend um uns gekümmert. Zu unserem Outfitting gehörte alles, was man für 3 Tage überleben in der Wildnis braucht. Angefangen vom Zelt, Schlafsäcken, Isomatten, Planen, Ponchos und Seilen, über Campinggeschirr, Grillrost, Gaskocher, Töpfe, Feuerstarter, eine Säge und Taschenlampen bis hin zu super zusammengestellten Essen.

Hierfür haben wir im Voraus einen Plan bekommen und der klang besser als die Speisekarte von so manchem Restaurant. Aus unserem Wünschen wurde uns ein vollständiger Menüplan zusammengestellt und individuell für jede Mahlzeit verpackt. So muss man sich nur den entsprechenden Beutel schnappen und schon hat man die entsprechenden Zutaten.
 
 
 
Hier mal der kurze Überblick:
Tag 1:
Mittagessen: Sandwich, Äpfel und Cookies
Abendessen: Steak (das war richtig gut), Möhren, Zwiebeln und Reis
Dessert und Snack: Brownies und Müsliriegel
 
Tag 2:
Frühstück: Freche Eier, Bacon, Brot, Käse und Orangen
Mittagessen: Thunfisch, Pitabrot, Möhren und passende Sauce
Abenessen:  Dreikäse Pasta mit Hühnchen und Gemüse
Dessert und Snack: S’more (gerösteten Marshmallow zwischen Keks mit Schokolade) und Goldfischchips
 
Tag 3:
Frühstück: Frische Eier, Schinken, Käse und Müsliriegel
Mittagessen: Hühnernudelsuppe, Cracker, Käse, Salamisticks
Dessert und Snack: Getrocknete Früchte
 
Klingt doch gut oder? Also was das Essen angeht konnte man sich wirklich nicht beschweren. Es war sehr lecker und sehr reichlich.
Zudem ganzen Equipment kommt dann noch unser persönliches Gepäck mit Klamotten und Technikausrüstung. Verpackt wird alles in wasserdichten Säcken und dann in einem rissigen Rucksack und das ganze Essen und Kochutensilien in einem fest verschließbarem Plastikfass, welches sich mit einem Geschirr auf dem Rücken setzen lässt.
 
 
Als nächstes kamen wir zum Boot. Ein weiterer sehr netter Mitarbeiter übergab uns das 2 Mann Boot und half es auf unserer Auto zu schnallen. 3 Spanngurte und 4 Schaumstoffblöcke später war unser Auto vorn und hinten 50cm länger und wir hatten ein Boot auf dem Dach.
 
 
Nachdem wir uns unsere Routenempfehlungen abgeholt hatten ("bleibt am besten an einem Ort, es soll sehr nass werden“) und alles verstaut war ging es mit dem Auto hinein in den Algonquin Park. Wir hatten uns für eine Route entschieden, die am Canoe Lake startet. Dort angekommen setzen wir bei bestem Wetter das Boot zu Wasser und fuhren bis zur ersten Portage, dort angekommen wurden Gepäck und Boot geschultert und von einem See zum nächsten getragen, da dort ein Damm im Weg war. Der nächste See (Joe Lake) war hinsichtlich der Zeit auch schon unser Tagesziel, da die Sonne bald untergehen sollte. Die Landschaft im Park ist wirklich traumhaft. Bäume in den verschiedensten Herbstfarben, spiegelglattes Wasser und Biber die man beobachten kann.
 
Rund um die vielen Seen gibt es eine Menge Stellen an denen das Campen (natürlich mit Erlaubnis der Parkverwaltung) gestattet ist, sie sind alle auf Karten eingezeichnet und deutlich markiert. Wir suchten uns einen geeigneten Platz auf Joe Island aus, einer kleinen Insel im Joe Lake. Dieser war gut vom Wasser aus zu erreichen, die Gefahr von wilden Tieren war durch das umliegende Wasser geringer und die Aussicht war auch sehr nett.
 
Wir landeten an und suchten uns eine Stelle für unser Zelt aus. Das war schnell aufgebaut und mit einer zusätzlichen Plane überspannt. Ein bisschen trockenes Feuerholz konnten wir auch noch finden und so stand dem ersten romantischem Abend in der Wildnis nicht mehr viel im Wege. Bis es dann gegen 9 anfing zu regnen. Zunächst nur leicht, aber das sollte sich bald ändern.
 
Wir beschlossen uns in das Zelt zurück zu ziehen und haben das Lager nachtfertig gemacht. Das bedeutet hier tatsächlich, das man die Tonne mit dem Essen mit Hilfe eines Seils an einem Baum hochbindet, weit vom Schlafplatz entfernt. Hauptsächlich um Waschbären vom plündern abzuhalten, aber auch um es richtigen Bären schwerer zu machen, die es hier auch gibt und regelmäßig gesichtet werden. Außerdem legten wir noch ein wenig Feuerholz nach, denn wilde Tiere mögen kein Feuer
 
 
Über Nacht wurde der Regen dann immer schlimmer und wir mussten leider feststellen, dass der Boden unseres Zelts undicht war. Das Wasser floss zwar nicht rein, aber kroch allmählich durch die Isomatten nach oben bis es irgendwann an den Schlafsäcken ankam. Am nächsten Morgen war es im Zelt schon fast nass, aber wenigstens hatte es kurz aufgehört zu regnen.
 
 
Nachdem wir am Vortag schon den Tipp bekommen haben an einem Ort zu bleiben und wir von unserem Lager aus nur Padler sehen konnten, die zurück fuhren, wurde uns auch ein wenig mulmig zumute. Die Wettervorschau sagte starken Wind und teilweise Gewitter voraus und der Himmel zog sich immer wieder zu. Als die ersten Windböen kamen und der Regen wieder einsetzte, war unserer Hoffnung gestorben, die Schlafsäcke über den Tag trocknen zu können. Mit der Aussicht auf einen komplett verregneten Tag, wegfliegenden Zelten und einer weiteren Nacht in einem nassen Schlafsack, beschlossen wir dann zurück zu paddeln.
 
 
Unter zum Glück nur leichtem Nieselregen packten wir unser Zeug zusammen und verstauten alles im Boot. Pünktlich mit dem Ablegen öffnete der Himmel seine Schleusen und der Regen prasselte nur so nieder. Gemischt mit dem Wind und den Wellen wirklich kein Vergnügen, man musste aufpassen, dass das Wasser nicht ins Boot schwappt.Als wir die Portage hinter uns hatten, bei der es nur noch leicht geregnet hat, ging es wieder auf den größeren Canoe Lake. Ungefähr in der Mitte angekommen konnte man beobachten, wie sich innerhalb von Minuten der Himmel wieder verdunkelte und der Regen erneut über uns einbrach. Der Wind war teilweise so heftig, dass wir nur noch mit Mühe den Kurs halten konnten. Zur vorgeschriebenen Rettungsausstattung gehört auch etwas zum Wasser schöpfen, so konnten wir alle paar Minuten das Regenwasser aus dem Boot schöpfen, was sich dort sehr schnell sammelte.
 
Zum Glück erreichten wir dann eine Insel im See, auf der ein zu dieser Jahreszeit verlassenes Schullandheim steht. Dort legten wir an und flüchteten uns unter eine Veranda. Hier konnten wir kurz durchatmen, Kräfte sammeln und die nassen Klamotten wechseln, denn selbst die imprägnierten Wetterjacken waren bis auf die Haut durchweicht. So komplett verlassen, wirkte die Insel auch so, als könne man dort prima einen Horrorfilm drehen... Nach etwa einer Stunde ließ der Regen nach und wir nutzten die Chance um weiterzufahren.
 
Etwa 300m vor dem Ziel fing es wieder an zu regnen und die letzten paar Meter wurden wieder zum Kraftakt, kurz bevor es wieder anfing richtig zu Schütten hatten wir alles Gepäck unter ein Vordach gestellt und es dann nach und nach in unser Auto verladen.
 
Gezwungenermaßen suchten wir uns für die Nacht eine Unterkunft und landeten etwas außerhalb des Parks in einem kleinen Ort in einem niedlichen Hotel mit Gästehaus direkt an einem See. Auf dem Weg dorthin kamen wir noch an einem Wolf vorbei, der lief da wirklich einfach am Straßenrand entlang, so stellt man sich Kanada vor. Im Hotel angekommen, trockneten wir uns und unsere Klamotten und nutzten den Campingkocher für das Abendessen. Bevor es dann in ein trockenes Bett ging.